#puppeundpuppe

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1 – Erwachen

Von der Zeit vor 1973 ist nicht viel von Puppe bekannt. Wenn man ihn fragt, erzählt er stets die gleiche Geschichte: „Ich wachte auf und fand mich in einem durchsichtigen Sarg aus steifer Folie. Ich spürte ein wiederkehrendes Ruckeln und hörte Poltern. Durch die Folie sah ich, dass sich neben mir noch ein weiterer Gefangener befand. Doch ehe ich mich versah, öffnete sich der obere Teil meines Gefängnisses und eine riesige Hand griff hinein. Sie gehörte zu einem Mädchen mit goldenem Haar. Ich war damals viel kleiner als heute; nicht wesentlich größer als ein Kartenspiel und konnte mir nicht erklären was vorging. Doch noch mysteriöser war was als nächstes geschah. Die Hand legte meinen Gefängnisnachbarn und mich auf eine weiche Bank und verschwand. Ich hatte Angst. Ich konnte mich nicht bewegen; nicht rufen nicht sprechen. Als die Frau mit dem goldenen Haar wenige Augenblicke später zurückkam, bestreute sie mich mit einem gut riechenden Pulver. An das, was dann geschah, kann ich mich nur blass erinnern. Ich war plötzlich groß. Viel größer als die Hand und der durchsichtige Sarg in den ich zuvor passte. Doch ich hatte Angst. So große Angst, dass ich wie wild davon lief. Ich rannte um zwei Ecken, riss eine Tür auf und stürzte aus – heute weiß ich – es war ein fahrender Zug.“
Puppe lag bewusstlos am Gleisbett im Schnee. Es war Winter am Anfang des Jahres 1973. Glücklicherweise blieb der Unfall nicht unbemerkt. In der Nähe des bayerischen Dorfes Beratzhausen spielten einige Kinder im Schnee. Sie kamen angerannt und zogen Puppe aus dem gefrorenen Nass.
Er ist anders als die anderen Kinder; älter, doch trotzdem kindlich und naiv. Essen, Trinken und Luft zum Atmen braucht er nicht. Das einzige was er will, ist Freundschaft. Obwohl Puppe Puppe aus dem fahrenden Zug nachgesprungen war, fanden die beiden erst 6 Monate später auf dem Schulhof der Gottfried-Kölwel-Grundschule (natürlich waren sie dort nicht zum Lernen, sondern zum Spielen) zueinander. Sie ähneln dem jeweils anderen wie ein Spiegelbild und wurden schnell unzertrennlich.

 

2 – Ehrgeiz

Aufgrund ihres außergewöhnlichen Körperbaus waren Puppe und Puppe Naturtalente im Bobfahren. Es war jedoch das empfindliche Gefühl für sportgerechte Kameradschaft, das Puppe bei seinen Mitbürgern in Ungnade fallen ließ. So vermochten es die Beratzhausener nicht zu fassen, dass er 1974 in Oslo seine Zweierbobmannschaft nach einigen schwachen Trainingsfahrten platzen ließ, indem er seinen bewährten Mitstreiter Puppe (beide siehe Bild oben im letzten gemeinsamen Training) gegen einen Mann austauschte, der sich durch ein möglichst stattliches Lebendgewicht auszeichnete und den Bob schwerer, mithin auch schneller machte. Die Goldmedaille, die Puppe – mit seinen 120 Kilogramm selbst am Steuer – herausfuhr, rehabilitierte ihn in seiner Heimat nicht. Jedweder Diskussion über sein umstrittenes Verhalten ging Puppe aus dem Wege, indem er sich noch im selben Winter erstmals in ein Sommerdomizil nach Australien aufmachte, um sich dort einer Trachtengruppe von 80 Buam und Dirndln naturburschenhaft jodelnd und Zither spielend anzuschließen, um für seine bayrische Heimat zu werben.
Den 1974 verkündeten Entschluss, seine Sportkarriere mit den Osloer Olympiasiegen zu beschließen, vergaß Puppe schnell. Allerdings wirkte ein gewisser Drang zum Alkohol bisweilen störend auf seine Bobfahrer-Karriere ein, so 1976 bei den Meisterschaften in Cortina d‘Ampezzo, als sich eines schönen Morgens während der Ausscheidungskämpfe seine Zweierbob-Mannschaft unvollständig am Startplatz meldete. Steuermann Puppe lag verkatert in seinem Hotelzimmer; um ihn herum drei leere Flaschen Müller Thurgau.

 

3 – Versöhnung

Die einen tanzen, die anderen staksen durch die Gänge auf der Suche nach Männern. Heute ist Dienstag und noch früh am Abend in Brisbane. Nur wenige sind da. Direkt an der Bühne sitzen Puppe und Puppe in ihren eleganten Schlafanzügen. Sie schauen sich Caren genüsslich an, doch warten insgeheim nur auf die Hauptattraktion, die dem Etablissement seinen Namen gibt. Am anderen Ende des Raums nicken drei muskulöse Kerle mit karierten Hemden, Snapbacks und funkelnden Ohrringen mit der Musik. Ihre Blicke von unten hoch zum stählernen Körper der Tänzerin erinnern an hechelnde Hunde. Die Barfrau kommt mit Begrüßungssekt im Plastikglas zu Puppe. Übertrieben freundlich wünscht sie einen schönen Abend und geht hinternwackelnd zurück zum Tresen. Nur die Jeans und die Bluse unterscheiden sie von den anderen anwesenden Mädchen. Fast jedes von ihnen beobachtet sich beim Tanzen im Spiegel. Alle studieren die eigenen Bewegungen und Körper. Kaum eine lächelt.
Der Abend ist ein Geschenk von Puppe, der wehmütig nach Australien folgte, um die Freundschaft von Puppe zurück zu erlangen. Für eine Versöhnung nach dem Rauswurf aus dem Zweierbob-Team kurz vor der Weltmeisterschaft in Oslo war es höchste Zeit, waren sie doch so lange ein unzertrennliches Paar. Zustimmendes Nicken von Puppe während einem privaten Tanz und die Auseinandersetzung ist aus der Welt; genauso wie alle Ersparnisse der beiden zum Ende der Nacht.

 

4 – Bankraub

Die kleine Filiale der Raiffeisenbank in Brisbane verfügt nur über wenige Sicherheitsmechanismen. Gegen eventuelle Videoaufzeichnungen schützten die zwischenzeitlich mittellos gewordenen Puppe und Puppe schwarze Sturmhauben. Die Waffe besorgte sich Puppe bereits vor einigen Jahren auf dem Schwarzmarkt. Ihr Ziel: Die Finanzierung einer eigenen Tatortreinigungsfirma.
Er wartete vergeblich vor der Bank. Puppes Gesichtsfarbe wechselte sekündlich zwischen kalkweiß und tiefrot. Nahe einem cholerischen Anfall sagte er zu sich selbst: „Wenn sich dieser Verräter nicht bald blicken lässt, drehe ich ihn eigenhändig durch den Fleischwolf.“ Er stürmte sieben Minuten vor vier schlussendlich mit Puppe in die Bank, schoss zweimal in die Decke und schrie: „Überfall! Los auf den Boden!“. Dann stockte er plötzlich, starrten ihn doch zwei Uniformierte an, die am Schalter standen und Geld für die Wochenendeinkäufe abheben wollten. Fast gleichzeitig wurde Puppe schlagartig klar, dass er vor lauter Wut und Rage vergessen hatte, seine Skimaske aufzusetzen, währenddessen filmten die Überwachungskameras alles was sich gerade in der Bank so tat. Als er versuchte, diesen unverzeihlichen Fauxpas ungeschehen zu machen und an der Maske in seiner Tasche herum nestelte, fiel ihm die Waffe aus der Hand, knallte auf den Boden und das Magazin sprang heraus, in die Weite des Schalterraums. Puppe hielt die Polizisten in Schacht, während Puppe sich aufraffte und seine Glock 18 wieder funktionsbereit machte. Sie erbeuteten 16.000 Australische Dollar, doch hatten ein großes Problem. Puppes markantes Gesicht ist Teil der Aufzeichnungen der Überwachungskameras. Es gab nur eine Konsequenz. Sie mussten das Land erneut verlassen. Am besten in eines ohne Auslieferungsabkommen mit Australien: Namibia.

 

5 – Kurierdienst

In welche Kreise er diesmal geraten war, begriff Puppe erst, als der „Big Boss“ einen Auftragsmörder auf ihn ansetze. Das war 1980. Puppe lebte seit zwei Jahren in Namibia, als ein Mann bei ihm aufkreuzte. Dieser gab sich als Bote aus und sagte Puppe, dass der Big Boss mit ihm sprechen wolle. Während der Fahrt warf Puppe einen Blick in den Rückspiegel und sah, dass der Mann eine Browning unter der Jacke trug. Vor Schreck fuhr er in ein Schlagloch und nutzte die Gelegenheit, um eine Reifenpanne vorzutäuschen. Als der Auftragsmörder ausstieg und den Reifen begutachtete, schlug Puppe ihn mit dem Wagenkreuz bewusstlos. „Ich weiß nicht warum, aber ich habe schon immer gelassen reagiert, wenn es brenzlig wurde“, sagt Puppe am Abend zu Puppe in einer Kneipe am Markt von Katima Mulilo. Er hatte sich graue, lockige Haare wachsen lassen und trägt ein Goldkettchen. Ein wenig sieht er wie ein gestrandeter Schlagerstar aus, der von seinen glorreichen Zeiten am Ballermann schwadroniert. Nur dass Puppe nicht gesungen, sondern mit Kokain gehandelt hat – nicht von Mallorca, sondern von Namibia aus.
Die Geschichte begann 1978, als Puppes Bobfahrerkarriere endgültig am Nagel hing. Er beschloss, nach dem gelungenen Banküberfall, mit seinem Freund Puppe nach Katima Mulilo zu ziehen. Mit Geld konnten sie nie gut umgehen, sodass das Diebesgut bald aufgebraucht war. Aus seinen lockigen Haaren webte er sich und Puppe eine Hose. Dann lernten sie den Big Boss, einen Drogenhändler, kennen. Der schlug ihnen ein Geschäft vor. Puppe sollte mit gefälschten Papieren Kokainpaste nach Spanien schmuggeln und für den Kurierdienst 250.000 Südafrikanische Rand, damals 30.000 Mark, erhalten. Vor der Fahrt ließ ihn der Big Boss von einem Voodoo-Priester segnen. „Voodoo-Session durch Kokain finanziert“ sollte die Lokalzeitung bald titeln.

 

6 – Tatortreinigung

Während ihrer Zeit in Namibia stellten sie ihr Ziel einer eigenen Tatortreinigungsfirma zurück. Trotz zahlreicher Verbrechen in diesem kleinen, von Kriminalität geprägten Land war die Nachfrage zu gering. Der gelungene Drogenschmuggel brachte Puppe und Puppe 30.000 Mark ein, die ihnen vom spanischen Kontaktmann in Sevilla übergeben wurden und ließen die Unternehmerherzen der beiden wieder auferleben. Sie hörten sich anschließend nach Kooperationspartnern um und stießen auf ein norddeutsches Unternehmen, das für die Eröffnung einer Zweigstelle in Südspanien bereit war. Bei manchen Einsätzen erleben die Tatortreiniger Dinge, die sie nicht so schnell vergessen. „Da denkt man schon darüber nach, was einen Menschen zu so was treibt“, sagt Puppe. In einem extremen Fall war in einer Wohnung ein Heroin-Abhängiger an einer Überdosis gestorben. Dort erwarteten die Tatortreiniger Blutspuren an den Wänden, verschimmelte Kleidung in der Waschmaschine, Unmengen leerer Bierflaschen sowie beißender Geruch in der gesamten Wohnung. Als Putzkräfte entrümpeln und reinigen Puppe und seine Kollegen auch Messie-Wohnungen. „Eine Frau war über ein dreiviertel Jahr nicht gefunden worden und der beißende Gestank deshalb kaum noch zu ertragen.“ Den Weg zum Fenster mussten sie sich erst einmal freikämpfen, weil sich in der Wohnung in Sevillas Stadtteil Santa Justa der Müll stapelte. „Nachdem wir den Geruch endlich beseitigt hatten, war es allerdings mehr eine Entrümpelung als eine Tatortreinigung“, sagt Puppe. Das sind allerdings krasse und relativ seltene Fälle. Normalerweise haben sie es nur ein bis zweimal im Monat mit solch gruseligen Arbeitsorten zu tun, die restlichen Tage verbringen sie mit normaler Gebäudereinigungen. „Mehr Tatortreinigungen wollen wir gar nicht machen. Es ist schließlich doch alles unangenehmer als erwartet“, sagt Puppe.

 

7 – Tennessee Mule

Das Einkommen durch Tatortreinigung reicht nicht aus. Zu wenig Verbrechen passieren und zu wenig Wert wird in Südspanien auf Reinheit gelegt. Puppe und Puppe entscheiden, dass eine Nebentätigkeit her muss.
Bloody Mary, Manhattan, Sex on the Beach: Das waren die klassischen Cocktails der siebziger Jahre. Heute sind nicht nur auf Silvesterpartys eher Mojito, Long Island Iced Tea oder Moskow Mule gefragt. „Als Bartender sollte man schon alle Klassiker und die gängigsten Cocktailrezepte kennen“, sagt Puppe. Er arbeitet als Barkeeper in einer Szenebar in Sevilla. Und räumt gleich mit einem Vorurteil auf: Keineswegs wirbeln Barkeeper ständig mit Flaschen und dem Mixer herum. Dieser Part ist eher Unterhaltung für die Gäste. „Die überwiegende Mehrzahl der Barkeeper mixt aber einfach nur gute Cocktails – ohne große Sperenzien“, sagt Puppe. „Unser aktuelles Highlight ist der Tennessee Mule. Er wird zubereitet wie ein Moscow Mule, aber eben mit Whiskey von Jack Daniels.“ Der Stundenlohn liegt nur knapp über Mindestlohn. Trinkgeld kommt aber häufig dazu. Und auch der ständige Umgang mit Alkohol ist nicht zu unterschätzen. „Manche Gäste erwarten, dass der Barkeeper auch etwas trinkt. Da muss man aufpassen.“ sagt Puppe, dem als trockener Alkoholiker der Weingenuss bereits die Bobfahrer-Karriere gekostet hat.

 

8 – Pitas auf Rädern

„Unbekannte stahlen in der Zeit von Mittwoch, 22:30 Uhr, bis Donnerstag, 05:00 Uhr, einen schwarzen Lieferwagen, welcher auf dem Plaza Nueva parkte. Anwohner, die von den lauten Geräuschen geweckt wurden, beschrieben die Täter mit einer vermeintlichen Größe von circa 1,6 m, Glatze und pyknischen Körperbau. Sie verschafften sich mit Räuberleiter über ein offenstehendes Fenster Zugang zum Wageninnere. Die Polizei startete die Ermittlungen.“ Metro News Sevilla, 1984

Der Barkeeper-Job stellte für Puppe eine unbestehbare Prüfung dar. Die Versuchung, die gemixten Spirituosen selbst zu verzehren, wurde Abend für Abend größer. Es ging einige Zeit gut. Zunächst passierte der Eigenkonsum nur unregelmäßig. Am dritten Tag aber trank Puppe fast durchgehend selbst und fing an die Gäste zu beleidigen. Puppe und Puppe sollten auch in dieser Tätigkeit keine Ruhe finden. Ein Glück, folgte die nächste Idee auf dem Tritt. „Wir sollten in der Gastro bleiben, Puppe.“, überlegte Puppe. „Aber es darf nichts mehr mit Alkohol zu tun haben, Puppe! Du hast dich einfach nicht im Griff.“ erwiderte Puppe. „Was hältst du davon, ein Restaurant zu eröffnen?“, fragte Puppe. „Ich habe eine bessere Idee. Lass uns lieber das Essen zu den hart arbeitenden Menschen bringen. Und ich weiß auch schon, wie wir das tun.“, freute sich Puppe. Teil von Puppes Plan war es, einen Lieferwagen zu kaufen. Doch es kam besser. Noch am selben Abend fand er ein herrenloses Exemplar, das seiner Auffassung nach ganz offensichtlich niemand mehr haben wollte, am Straßenrand nahe eines öffentlichen Platzes. Die Umbaumaßnahmen konnten beginnen.
Sie kommen mit der Produktion kaum hinterher. „Wir haben eine große leckerleichte Palette an Produkten: Supis (so super, was man aus Suppe alles machen kann), Salatis (die ersten Salate, die satt machen), Senfis (das Brot mit Senf-Dill-Aufstrich) und unsere Guties (gönn dir was süßes Gutes).“, schilderte Puppe die Geschäftsidee einen Monat später der Lokalpresse.

 

9 – Puppisdepressiv

„Das Publikum lesen, um genau zu wissen, was sie gerade möchten, aber dabei trotzdem stets die Dramaturgie des Sets im Auge behalten.“ Das Foodtruck-Business lastet Puppe und Puppe nicht aus. Von ihren ersten Gewinnen leisten sie sich eine DJ-Ausrüstung. „Man setzt ein paar Höhepunkte am Abend, in denen alle frenetisch schreien, klatschen oder mitsingen. Diese Fähigkeit ist nur schwer zu erlernen und das übernimmt auch keine Controller oder Mischpult. Spätestens diese Eigenschaft trennt die Spreu vom Weizen und begründet die Daseinsberechtigung eines professionellen, erfahrenen DJs.“, erklärte Puppe nach seinem allerersten Auftritt dem Clubmanager einer kleinen andalusischen Diskothek. Morgens bereiten sie die Speisen und Getränke für den Straßenverkauf vor, bevor sie bis zum späten Nachmittag mit dem Truck unterwegs sind. Doch sie leben für die Abende, denn sie erfahren die Zuneigung ihrer langsam wachsenden Community. Vier Jahre später treten sie als Puppisdepressiv nur noch in den angesagtesten Clubs des Landes auf. In den weiteren Jahren, die ihnen in Spanien noch bleiben sollten, schnupperten Puppe und Puppe in zahlreiche weitere Berufe. Sie wurden professionelle Streckentester für Wildwasserbahnen, versuchten vergebens in das Imkergeschäft einzusteigen und traten mehrfach in Kochshows des spanischen Fernsehens auf. Puppe hatte außerdem einige Wochen lang Seiltänzerunterricht. Doch trotz der vielen unterschiedlichen Beschäftigungen blieben sie im Herzen stets DJs.
Es war an einem Donnerstag im im Jahr 1989, als neben der vielen Fanpost ein Brief eines kleinen bayerischen Spielzeugherstellers einging, der Puppes und Puppes Bestimmung klar werden ließ.

 

10 – Bestimmung

Er hatte sie wiedererkannt; 15 Jahre später. Sie beschlossen dem Mann im oberpfälzischen Regensburg einen Besuch zu erstatten. Der Andalusien-Express hatte einmal mehr Verspätung. Die Fahrt von Sevilla nach Regensburg dauerte zwei Tage. Als sich am Mittag des ersten Tages herausstellte, dass der Zugführer eine Lebensmittelvergiftung hatte, brach unter den Fahrgästen und dem Zugpersonal Panik aus. In dem Durcheinander schlich sich Puppe gefolgt von Puppe nach vorn in das Führerhäuschen. „So schwer kann das nicht sein.“ sagte Puppe und entschloss sich, den Zug selbst zu fahren.
In Regensburg angekommen, folgten sie dem Absender des Briefes zu einer mittelständigen Puppenmanufaktur. Zwischen den dampfenden Pressen und quietschenden Blasebalgen fanden sie den Weg in ein kleines Büro. „Diese Werkstatt ist alt. Sie ist sehr alt. Zuvor stand hier eine Pillendreherei“ Erklärte der Puppenmacher mit Knollennase, nachdem er Puppe und Puppe eine Zeit lang mit weit aufgerissenen Augen aus sicherer Entfernung von seinem Schreibtisch aus beäugte. „Wir bemerkten eines Tages, dass sich der Staub hinter Kunststoffpresse #2 violett färbt, wenn man ihn nicht jeden Abend sofort weg fegt. Dieser Staub hatte magische Kräfte. Nur eine kleine Prise davon und die kleinste Puppe wurde so groß wie ein Schaukelpferd. Es war bahnbrechend. Mit kleinem Aufwand konnten wir jahrelang riesige Puppen fertigen und Kinder für kleines Geld glücklich machen. Doch eines Tages war der Segen vorüber. Ein achtloser Mitarbeiter schüttete einen Eimer Bleiche über die magische Ecke. Meine Kollegin, Frau Schrotenpeter, hatte Dienst und rettete so viel Staub wie sie konnte. Die Magie war jedoch fortan passé.“, erzählte der kleine dickliche Puppenmacher. „Sag uns mehr über diese Frau. Wie sah sie aus? Wo lebt sie? Wir sind unserer Bestimmung auf der Spur.“, rief Puppe aufgeregt.

 

11 – Über Stock und Stein

Puppe und Puppe machten sich schlussendlich mit ihren Bündeln an Habseligkeiten zu Fuß von Regensburg auf nach Ebenried, dem Wohnort von Frau Schrotenpeter. Kurz nachdem sie ihre alte Heimat Beratzhausen durchquert hatten, hörten sie auf einmal, wie sich schnell Hufgeräusche näherten und eine Kutsche hielt neben ihnen. Der Kutscher hatte es sehr eilig und rief: “Sag schnell, ich komme zu spät zu einer Hochzeit. Ich muss das Brautpaar abholen. Wie weit ist es noch bis zum Pendlerparkplatz in Allersberg?” Puppe antwortete: “Wenn Ihr langsam fahrt, dauert es wohl eine Stunde. Fahrt Ihr schnell, so dauert es fünf Stunden, mein Herr.”. “Du Narr”, schimpfte der Kutscher und trieb die Pferde zu einem schnellen Galopp an und die Kutsche entschwand aus dem Blick der Puppen. Sie gingen gemächlich ihres Weges auf der Straße, die viele Schlaglöcher hatte. Nach etwa einer halben Stunde sahen sie nach einer Kurve die Kutsche im Graben liegen. Die Vorderachse war gebrochen und es war der Kutscher von vorhin, der sich nun fluchend daran machte, die Kutsche wieder zu reparieren. Der Kutscher bedachte Puppe und Puppe mit einem bösen und vorwurfsvollen Blick, worauf Puppe nur erwiderte: “Ich sagte es doch: Wenn Ihr langsam fahrt, eine Stunde. Alleine schafft Ihr es nie, die Achse zu heben. Wir helfen, wenn Ihr uns mit bis nach Ebenried nehmt.“ So fanden Puppe und Puppe eine Mitfahrgelegenheit. Der Kutscher fuhr nicht viel schneller als Schritttempo, doch es war allemal bequemer als zu laufen. Auf der Rückbank lagen Zylinder und Diadem des Brautpaars. Für einige Augenblicke fühlten sich Puppe und Puppe wie König und Königin.

 

12 – Ankunft

Ihr Ziel war ein Dorf ohne Straßennamen, ohne Ampeln und ohne Pöller. „Dreizehn“ sagte der kleine Mann mit Knollennase.“ wiederholte Puppe genervt. „Es müsste dort vorne rechts sein.“ Puppe und Puppe näherten sich einem von drei Häusern und einer Garage umschlossenen Hof und traten an eines der Gebäude heran. Ihre Herzen schlugen schneller, als sie durch die Glaselemente der Tür blickten. Sie sahen einen Flur mit vier Türen; konnten aber keinerlei Bewegungen ausmachen. „Wer seid ihr?“ ertönte eine weibliche Stimme hinter ihnen. Puppe und Puppe drehten sich langsam um und erblickten eine Frau mit goldenem Haar. Sie trug einen Wintermantel. Ihr stockte der Atem als sie Puppes und Puppes androgyne Gesichter erblickte. Die drei trafen sich nach all den Jahren wieder und obgleich aus dem Mädchen mit goldenem Haar zwischenzeitlich eine Frau geworden war, erkannten sie sie sofort. „Bitte kommt rein.“ bat Frau Schrotenpeter.
Bei einer Tasse Käsekuchen-Tee erfuhren Puppe und Puppe, dass es in ihrer Serie 1979 einen Produktionsfehler gab und alle Puppen hätten eingeschmolzen werden sollen. Frau Schrotenpeter rettete ihnen damals das Leben. Geplapper eines Babys ist aus einem Stubenwagen am anderen Ende des Raums zu hören. „Das ist Artemis. Sie ist mein ganzer Stolz.“, strahlte Frau Schrotenpeter.
„Wir finden seit Jahren keine Ruhe. Wir suchen nach Stetigkeit. Hier bei dir habe ich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl, angekommen zu sein.“ sagte Puppe. „Der Spielzeugmacher erzählte uns, dass du Zauberstaub gerettet hast. Lass uns für immer der Begleiter deiner kleinen Artemis sein.“ fügte Puppe hinzu.“ Frau Schrotenpeter verließ den Raum für einige lange Minuten und kam mit einem braunen Säckchen zurück. Mit dem Geruch von Zuckerwatte in den kleiner werdenden Nasen schrumpften Puppe und Puppe, bis sie wieder nicht wesentlich größer waren als ein Kartenspiel. Fortan war ihr Platz an Artemis Seite. Ende.

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7. Forschungsworkshop PMU – Klinikum Nürnberg Nord

Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität lud zur halbjährlichen Vortragsreihe mit Get-Together in das Klinikum Nürnberg Nord ein. Ich hielt den Vortrag „Optimierte Lichtsysteme im gebauten Raum“ und beschrieb darin wichtige Kenngrößen der lichttechnischen Messung und Simulation, sowie medizinische Einflussfaktoren.

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Die Lange Nacht der Wissenschaften Nürnberg 2015

Betreuung der Ausstellung des Forschungsprojektes „Sollektor und Lichtkuppel“ am Nuremberg Campus of Technology, Fachbereich Energie- und Speichertechnologien

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Der weltweite Trend zur Urbanisierung, der Umstieg auf eine nachhaltigere Energie- wirtschaft und neue Ansätze für das Arbeiten und Wohnen fordern neue, smarte Energietechniken. Informieren Sie sich wie mit Hilfe von vernetzten dezentralen Energie- und Speichertechnologien und neuartigen Fassaden- und Gebäudetechniken eine nachhaltige Energieversorgung zukünftiger Städte möglich werden kann.

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Hallo liebe Freunde,

unsere BRG am Samstag war aus meiner Sicht mal wieder genial. Für Vicky waren die meisten von uns eine Überraschung. Sie hat mir am nächsten Tag geschrieben, dass Sie sich sehr gefreut hat. Ich hoffe wir sehen uns in der Runde wieder bevor sie nach Sachsen geht. Obwohl viele von uns sich lange nicht gesehen haben hat die Chemie noch funktioniert.

Die Nachbarn haben sich nicht beschwert.

Wir sollten mehr dieser Geschichten schaffen, an die wir uns dann in den nächsten 6 Jahren zurückerinnern können.

Marcel